Late Talker: wenn Kinder spät sprechen

Late Talker sind Kinder, die spät mit dem Sprechen beginnen und im weiteren Verlauf eine langsame Wortschatz- und Grammatikentwicklung aufweisen. Da viele dieser Kindern die sprachliche Verzögerung nicht aufholen, gelten sie als Riskiokinder für Sprachentwicklungsstörungen. Aus sprachtherapeutischer Sicht sollten Late Talker frühzeitig gefördert werden, damit schwere Sprachentwicklungsstörungen verhindert werden. Bei sprachlichen Auffälligkeiten sollte eine logopädische Diagnostik ab dem 2. Geburtstag erfolgen und ggfs. eine frühe logopädische Therapie oder ein gezieltes Elterntraining zur Sprachförderung, z.B. das Heidelberger Elterntraining, eingeleitet werden.

Was sind Latetalker?

Wenn Kinder im Alter von 2-3 Jahren noch nicht oder nur sehr wenig sprechen, sind sie von einer Sprachentwicklungsverzögerung betroffen. Eltern bemerken die sprachlichen Entwicklungsprobleme meistens daran, dass ihre Kinder eine langsame und mühsame Sprachentwicklung aufweisen. Die Tatsache, dass sie aufgrund der fehlenden sprachlichen Möglichkeiten im Alltag häufig nicht verstanden werden, führt bei den Kindern zur Frustration und es entwickeln sich nicht selten Verhaltensauffälligkeiten.

Symptome, Gründe und Ursachen für die verzögerte Sprachentwicklung

Sprachentwicklungsverzögerungen sind nicht selten. Sie treten bei ungefähr 18% der Zweijährigen auf und sind durch die folgenden Symptome geprägt:

  • Der späte Sprachbeginn liegt dann vor, wenn Kinder erst ab dem 18. Lebensmonat ihre ersten Wörter sprechen.
  • Im weiteren Verlauf zeigt sich eine langsame Wortschatzentwicklung.  Mit 24 Monaten liegt der Wortschatz noch unter der bedeutsamen Marke von 50 Wörtern, mit 3 Jahren unter 100 Wörtern.
  • Eine langsame Grammatikentwicklung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Kinder mit zwei Jahren nur einzelne Wörter und noch keine Zweiwortsätze bilden können.

Die Gründe bzw. die Ursachen für die verzögerte Sprachentwicklung liegen in der Regel in der Genetik und sind damit erblich bedingt. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Late Talker, Late Bloomer und Sprachentwicklungsstörungen

Ein Teil der Kinder, die so gennnaten Late Bloomer, kann diesen Rückstand bis zum 3. Geburtstag wieder aufholen. Eltern berichten in solchen Fällen bspw., dass plötzlich der Knoten geplatzt sei und das Kind sehr schnell sprachliche Fortschritte gemacht und sich die sprachliche Entwicklung ohne therapeutische Hilfe normalisiert habe.
Bei etwa 2/3 der Kinder bleiben die sprachlichen Auffälligkeiten bestehen oder verstärken sich. Diese Sprachentwicklungsstörungen zeigen sich meistens in einem reduzierten Wortschatz, einem eingeschränktes Sprachverständnis, einem Dysgrammatismus und einer Artikulationsstörung und schränken damit die  Kommunikationsfähigkeit der Kinder erheblich ein. Ab dem 3. Geburtstag sollten diese Störungen diagnostiziert und sprachtherapeutisch behandelt werden.

Diagnostik

Sprachlich auffällige Kinder sollten ab dem 2. Geburtstag sprachtherapeutisch untersucht werden, um sie früh zu erkennen und ihnen früh zu helfen, den Weg in die Sprache zu finden.  Zu einer vollständigen Diagnostik gehören die folgenden Untersuchungen:

Audiometrische Untersuchung: der Hörtest

In der audiometrischen Untersuchung muss zunächst sichergestellt werden, dass das Kind gut hören kann. Dazu werden verschiedene Hörtests durchgeführt, die das Hörvermögen des Kindes überprüfen.

Die logopädische Diagnostik

In einem ausführlichen Eingangsgespräch werden die Eltern zunächst über die sprachliche Entwicklung des Kindes befragt. Anhand der folgenden Fragen geht es darum, herauszufinden, wie die Sprachentwicklung verlaufen ist:

  • Wann hat das Kind die ersten Wörter gesprochen?
  • Wie groß ist der Wortschatz des Kindes?
  • Wie ist die Gesamtentwicklung des Kindes verlaufen?
  • Hatte das Kind häufig Mittelohrentzündungen oder Paukenergüsse?
  • Gab es irgendwelche bedeutsamen Erkrankungen?
  • Wie ist der Blickkontakt des Kindes?
  • Welche alternativen Kommunikationsmittel verwendet das Kind?
  • Wie reagiert das Kind auf die Sprache der Eltern?
  • Wie versteht es Sprache? etc.

Mit Hilfe verschiedener Sprachtests ermittelt der Sprachtherapeut im Anschluss den sprachlichen Entwicklungsstand des Kindes.

Fördermöglichkeiten: Ab wann sollten Late Talker eine Sprachförderung erhalten?

Für Kinder ab 2 Jahren gibt es sehr effiziente Elterntrainings zum Thema Sprachförderung. Dieses junge Alter der Kinder sollte aus den folgenden Gründen unbedingt genutzt werden:

  • Die sprachsensiblen Phase:
    Das Zeitfenster für die kindliche Sprachentwicklung ist begrenzt. Kinder lernen ihre Muttersprache in den ersten 6 Jahren ihres Lebens fast vollständig zu beherrschen. In dieser Phase befindet sich das kindliche Gehirn in seiner sprachsensiblen Phase, in der Sprache besonders effizient erworben wird. Sprachlich auffällige Kinder sollen in dieser Phase intensiv sprachförderlich unterstützt werden.
  • Frühe Förderung der Wortschatzentwicklung:
    Das wichtigste  Ziel einer frühen Sprachfördermaßnahme ist es, dass das Kind seinen Wortschatz erweitert. Nur mit einem ausreichend entwickelten Wortschatz, der auch Verben enthält, ist das Kind in der Lage, grammatikalische Fortschritte zu machen.
  • Förderung der Sprechfreude:
    Die Förderung der Sprech- und Kommunikationsfreude ist besonders bei sprachauffälligen Kindern wichtig, da sie ab dem 2. Geburtstag häufig frustrierende Kommunikationserfahrungen machen: Sie werden häufig nicht verstanden, manchmal sogar verbessert oder zum Nachsprechen aufgefordert. In vielen Fällen führt das dazu, dass die Kinder ihre Kommunikationsfreude verlieren, was für die weitere Entwicklung sehr ungünstig ist. Sprechfreude ist der Motor für eine gute Sprachentwicklung.
  • Schaffung eines sprachförderlichen Umfeldes:
    Die Schulung der Eltern bezüglich sprachförderlicher Verhaltensweisen ist ein wesentlicher Faktor zur Unterstützung der Kindlichen Sprachentwicklung. Eltern sind in dieser Entwicklungsphase die wichtigsten Kommunikationspartner des Kindes und haben damit die besten Möglichkeiten, dem Kind auf dem Weg zur Sprache zu helfen.

Logopädische Therapie / frühe Sprachförderung für Late Talker

Das Heidelberger Elterntraining ist ein standardisiertes und wissenschaftlich überprüftes Trainingsprogramm, das speziell für Late Talker entwickelt wurde. Anders als in der klassischen Sprachtherapie richtet sich das Training nicht direkt an die Kinder, sondern an die Eltern. Diese lernen in einem Gruppentraining, wie sie durch besonders sprachförderliches Kommunikationsverhalten die Sprachentwicklung des Kindes fördern können. Ziele des Heidelberger Elterntrainings sind die Förderung der Sprechfreude, ein schnelles Anwachsen des Wortschatzes und der schnellere Einstieg in die Phase der Grammatikentwicklung.

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