Du möchtest etwas sagen – und weißt nie genau, ob du im nächsten Moment ins Stocken gerätst und nicht flüssig weitersprechen kannst. Das kann sich angespannt und verkrampft anfühlen, Kraft kosten und sehr unangenehm sein. Besonders belastend ist es, wenn du genau weißt, was du sagen möchtest, es aber in diesem Moment nicht so aussprechen kannst, wie du es gerne würdest.
Mit der Zeit kann die Angst vor solchen Situationen immer größer werden. Vielleicht vermeidest du bestimmte Wörter, Gespräche oder Situationen sogar ganz, weil du fürchtest, wieder ins Stottern zu geraten.
Eine Stottertherapie kann dir helfen, dein Stottern besser zu verstehen, dein Sprechen gezielt zu beeinflussen und wieder freier und selbstbestimmter zu kommunizieren.
Inhalt
Was ist Stottern?
Stottern ist eine Redeflussstörung, bei der der Sprechfluss immer wieder unterbrochen wird. Typisch sind Wiederholungen von Lauten oder Silben, Dehnungen und Blockierungen. Diese Unterbrechungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und von Mensch zu Mensch ganz verschieden auftreten.
Viele stotternde Menschen erleben die Unterbrechungen als unangenehm oder belastend. Häufig kommen Anspannung, Unsicherheit oder die Sorge hinzu, in einer bestimmten Situation stottern zu müssen. Im Laufe der Zeit können daraus individuelle Strategien entstehen, mit denen versucht wird, das Stottern zu vermeiden oder zu verbergen.
Stottern ist dabei weit mehr als eine Frage der Sprechflüssigkeit. Wie ein Mensch sein Stottern erlebt und damit umgeht, kann ebenso wichtig sein wie die Häufigkeit und Ausprägung der Stotterereignisse.

Für Jugendliche und Erwachsene gibt es sehr wirkungsvolle Behandlungsmethoden des Stotterns.
Ursachen
Wie entsteht Stottern?
Die Entstehung des Stotterns ist komplex. Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand spielen genetische und neurophysiologische Faktoren eine wichtige Rolle. Stottern tritt in Familien gehäuft auf, gleichzeitig beeinflussen weitere Faktoren, wie sich das Stottern entwickelt und verändert. Stottern entsteht also nicht durch eine einzelne Ursache. Vielmehr wirken verschiedene biologische, sprachliche und sprechmotorische Faktoren zusammen. Auch die jeweiligen Sprechsituationen und die individuellen Erfahrungen mit dem eigenen Stottern können beeinflussen, wie stark das Stottern im Alltag auftritt.
Hat Stottern psychische Ursachen?
Nein, Stottern entsteht nicht einfach durch Angst, Unsicherheit oder andere psychische Probleme. Allerdings können die Erfahrungen mit dem eigenen Stottern psychisch belasten und beeinflussen, wie jemand mit seinem Stottern umgeht. Angst, Scham und Vermeidung können sich dabei gegenseitig verstärken.

Stottern hat keine psychischen Ursachen, kann aber seelisch belasten.
Angst und Scham können das Stottern verstärken.
Symptomatik
Wie zeigt sich Stottern?
Stottern kann sich bei jedem Menschen etwas anders zeigen. Typisch sind drei Formen von Unterbrechungen des Sprechflusses:
- Wiederholungen: Laute, Silben oder Wörter werden wiederholt, zum Beispiel: „K-k-kann ich …?“
- Dehnungen: Ein Laut wird ungewöhnlich lange gehalten, etwa: „Mmmmama“.
- Blockierungen: Das Sprechen kommt kurzzeitig zum Stillstand. Der gewünschte Laut oder das Wort kann zunächst nicht hervorgebracht werden.
Wie häufig und wie stark diese Unterbrechungen auftreten, kann sehr unterschiedlich sein. Auch bei ein und derselben Person kann sich das Stottern je nach Situation verändern.
Viele stotternde Menschen entwickeln im Laufe der Zeit eigene Strategien, um mit schwierigen Sprechsituationen umzugehen. Dazu können erhöhter körperlicher Druck, zusätzliche Bewegungen von Gesicht oder Kopf, bestimmte Handbewegungen oder auch Füllwörter gehören. Häufig wird auch versucht, bestimmte Wörter zu vermeiden oder durch andere zu ersetzen.

Jeder stotternde Mensch hat seine
ganz eigene, individuelle Symptomatik.
Angst vor dem Sprechen und Vermeidung
Wer beim Sprechen wiederholt die Erfahrung macht, zu stottern, kann zunehmend Angst vor bestimmten Sprechsituationen entwickeln. Besonders belastend können Situationen sein, in denen viel Aufmerksamkeit auf das eigene Sprechen gerichtet ist.
Manche Menschen versuchen deshalb, das Stottern möglichst zu vermeiden: Sie ersetzen Wörter, formulieren Sätze um oder meiden bestimmte Gesprächssituationen ganz. So kann es passieren, dass jemand lieber nichts sagt, auf ein Telefonat verzichtet oder sich nicht an einem Gespräch beteiligt, obwohl er eigentlich etwas beitragen möchte.
Auf diese Weise kann ein Kreislauf entstehen: Die Angst vor dem Stottern führt zu Anspannung und Vermeidung – und die Vermeidung kann die Angst vor zukünftigen Sprechsituationen weiter verstärken.
In der Stottertherapie geht es deshalb nicht nur darum, flüssiger zu sprechen. Es geht auch darum, Vermeidungsverhalten abzubauen und zunehmend gelassener mit schwierigen Sprechsituationen umzugehen.

Zu Beginn der Stottertherapie
geht es meistens erst mal darum,
das Vermeideverhalten wahrzunehmen.
Behandlung des Stotterns bei Jugendlichen und Erwachsenen
Wie funktioniert Stottertherapie?
Stottertherapie bedeutet nicht einfach, möglichst flüssig zu sprechen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie du dein Sprechen und dein Stottern so beeinflussen kannst, dass du dich im Alltag wieder freier und sicherer ausdrücken kannst.
Zu Beginn geht es darum, das eigene Stottern besser zu verstehen und wahrzunehmen. Gemeinsam schauen wir, wann und wie das Stottern auftritt, welche Reaktionen damit verbunden sind und welche Situationen besonders schwierig sind.
Darauf aufbauend werden verschiedene Möglichkeiten des Sprechens und des Umgangs mit dem Stottern ausprobiert. Dazu gehören je nach Ausgangssituation unterschiedliche Sprechtechniken, aber auch der Abbau von Vermeidungsverhalten und der Umgang mit Anspannung und schwierigen Sprechsituationen.
Entscheidend ist dabei der Transfer in den Alltag. Was in der Therapie funktioniert, soll nach und nach auch in Gesprächen, am Telefon, bei Präsentationen oder in anderen persönlich wichtigen Situationen einsetzbar werden.
Stottertherapie ist deshalb kein Training nach einem festen Schema. Die Therapie wird an die individuelle Situation, die persönlichen Ziele und die jeweiligen Bedürfnisse angepasst.

Zwei Methoden der Stottertherapie:
Stottermodifikation und Fluency Shaping
Welche Methoden gibt es in der Stottertherapie?
In der Stottertherapie gibt es unterschiedliche therapeutische Ansätze. Zwei bekannte Verfahren sind die Stottermodifikation und das Fluency Shaping. Beide verfolgen unterschiedliche Wege, um den Umgang mit dem Stottern und das Sprechen zu verändern.
Stottermodifikation
Die Stottermodifikation geht auf den amerikanischen Sprachtherapeuten Charles Van Riper zurück. Im Mittelpunkt steht nicht das vollständige Vermeiden des Stotterns, sondern ein anderer Umgang mit den Stotterereignissen. Stotternde Menschen lernen, die eigene Reaktion auf das Stottern zu verändern und unnötige Anspannung und Vermeidungsverhalten abzubauen. Gleichzeitig werden Sprechtechniken eingesetzt, mit denen sich ein Stotterereignis leichter und weniger angespannt bewältigen lässt. Das Ziel ist also nicht, jedes Stottern zu verhindern. Vielmehr soll das Sprechen zunehmend freier und selbstbestimmter werden – auch dann, wenn Stottern auftritt.
Fluency Shaping
Beim Fluency Shaping steht dagegen die Veränderung des Sprechens stärker im Vordergrund. Verschiedene Sprechtechniken sollen dazu beitragen, den Sprechablauf möglichst flüssig zu gestalten. Dazu gehören beispielsweise ein sanfter Stimmeinsatz, eine verlangsamte Sprechgeschwindigkeit oder eine veränderte Gestaltung der Silbenübergänge. Die Techniken werden zunächst in der Therapie erprobt und anschließend Schritt für Schritt auf das alltägliche Sprechen übertragen. Auch beim Fluency Shaping geht es nicht darum, eine bestimmte Sprechweise dauerhaft mechanisch einzuhalten. Entscheidend ist, die erlernten Möglichkeiten so zu nutzen, dass sie im persönlichen Alltag tatsächlich hilfreich sind.

In der Therapie merkst du schnell,
dass die Techniken wirkungsvoll sind.
Das wichtigste ist dann,
sie im Alltag auch wirklich anzuwenden.
Was kann eine Stottertherapie erreichen?
Das Ziel einer Stottertherapie ist nicht bei jedem Menschen dasselbe. Während für manche eine größere Sprechflüssigkeit im Vordergrund steht, möchten andere vor allem wieder freier sprechen, weniger Situationen vermeiden oder sich beim Sprechen sicherer fühlen.
Eine Stottertherapie kann dabei helfen, …
- das eigene Stottern besser zu verstehen und wahrzunehmen,
- Vermeidungsstrategien abzubauen,
- einen gelasseneren Umgang mit dem eigenen Stottern zu entwickeln,
- verschiedene Möglichkeiten kennenzulernen, mit Stotterereignissen umzugehen,
- das eigene Sprechen gezielt zu beeinflussen,
- schwierige Sprechsituationen Schritt für Schritt wieder selbstbewusster zu bewältigen.
Wie stark sich das Stottern verändert und welche Ziele erreicht werden können, ist individuell verschieden. Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie flüssig jemand spricht, sondern auch, wie frei und selbstbestimmt er oder sie am sprachlichen und sozialen Leben teilnehmen kann.
Eine erfolgreiche Stottertherapie kann so neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen und dazu beitragen, dass das Stottern weniger Einfluss auf den Alltag bekommt.
Hilft Singen gegen Stottern?
Viele Menschen, die stottern, erleben beim Singen einen deutlich flüssigeren Sprech- oder Stimmfluss. Aber warum ist das so?
Beim Singen sind Melodie, Rhythmus und häufig auch der Text bereits vorgegeben. Wir reproduzieren die Sprache also weitgehend. Beim spontanen Sprechen müssen wir dagegen unsere Gedanken in diesem Moment in Sprache umsetzen, die passenden Wörter finden und gleichzeitig die Sprechbewegungen planen und ausführen.
Das macht Singen und Sprechen zu zwei unterschiedlichen Vorgängen. Deshalb lässt sich die beim Singen erlebte Sprechflüssigkeit auch nicht einfach auf alltägliche Gespräche übertragen.
Trotzdem kann die Erfahrung, beim Singen flüssig zu sein, interessant und ermutigend sein. Sie zeigt, dass sich der Sprechfluss unter unterschiedlichen Bedingungen verändern kann.
Singen ist deshalb keine Stottertherapie – aber es kann eine schöne Erfahrung von flüssigem und freiem Ausdruck ermöglichen.

Stottertherapie in Düsseldorf-Kaiserswerth
Stottertherapie bei TOTALVOKAL in Düsseldorf-Kaiserswerth
Stottern kann sich auf das Sprechen, auf Gespräche und auf viele Bereiche des Alltags auswirken. In der Stottertherapie schauen wir deshalb gemeinsam darauf, was dir beim Sprechen besonders schwerfällt und welche Veränderungen für dich wichtig sind.
Wir erarbeiten passende Sprechtechniken und Möglichkeiten, mit dem eigenen Stottern umzugehen, und übertragen diese Schritt für Schritt in deinen Alltag.
Wenn du dein Stottern besser verstehen und etwas an deinem Umgang mit dem Sprechen verändern möchtest, kannst du dich gerne bei uns in der logopädischen Praxis TOTALVOKAL in Düsseldorf-Kaiserswerth melden.