Sigmatismus: Lispeln bei Erwachsenen

Das Lispeln, fachsprachlich Sigmatismus, ist einer der häufigsten Artikulationsfehler bei Erwachsenen. Es handelt sich dabei um eine Fehlbildung des Lautes /s/, die durch eine Fehlstellung der Artikulationsorgane verursacht wird. Das Lispeln lässt sich sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen durch eine logopädische Artikulationstehrapie in der Regel erfolgreich behandeln. Lesen Sie in diesem Artikel über die Ursachen, die Symptome und die therapeutischen Möglichkeiten beim Sigmatismus.

Sigmatismus bei Erwachsenen: Das Lispeln als Schönheitsfehler, Artikulationsstörung oder Markenzeichen?

Nicht jeder Aussprachefehler stellt für den Betreffenden ein Problem dar. Es gibt sogar eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten, die einen Aussprachefehler zu ihrem Markenzeichen gemacht haben. Artikulationsfehler können auch im Erwachsenenalter erfolgreich behandelt werden, wenn der Betreffende seinen Aussprachefehler als störend empfindet oder die Verständlichkeit eingeschränkt ist. Entscheidend für den Erfolg einer Artikulationstherapie ist immer die Motivation des Klienten.

Symtomatik beim Lispeln

Bei der korrekten Artikulation entsteht der Zischlaut /s/ als Strömungsgeräusch im vorderen Drittel der Mundhöhle. Der Laut wird dadurch gebildet, dass von der Zunge eine Engstelle im Bereich des Gaumens, direkt hinter den oberen Schneidezähnen gebildet wird. Die Luft, die durch diese Engstelle geleitet wird, erzeugt den sehr hellen und hochfrequenten Zischlaut.

Lispeln bei Erwachsenen behandeln mit Hilfe der computergestützten Schallanalyse.
Analyse des Sigmatismus bei Erwachsenen mittels computergestützter Schallanalyse

Beim Lispeln wird der Zischlaut abweichend von der oben beschriebenen Artikulationsweise gebildet. Dadurch entsteht ein Zischlaut mit reduziertem Hochtonspektrum, den der Hörer psychoakustisch als Lispeln wahrnimmt. Je nachdem, in welcher Weise der Laut /s/ fehlgebildet wird, wird die Störung genauer spezifiziert:

  • Der Sigmatismus interdentalis:  Die Zunge befindet sich  zwischen den Zähnen, ähnlich wie beim englischen „th“.
  • Der Simatismus addentalis: Die Zunge bleibt zwar hinter den Zähnen, berührt diese aber leicht.

Sprech- und Sprachübungen in der Behandlung des Lispelns

Die logopädische Behandlung des Lispelns  besteht aus verschiedenen aufeinander aufbauenden Therapieschritten.

  1. Hörtraining: Der Klient lernt  zunächst einmal den korrekten Laut akustisch von dem fehlgebildeten Laut zu unterscheiden.
  2. Mundmotorische Übungen: Damit die Zunge die für die optimale Artikulationsstellung einnehmen kann, ist in den meisten Fällen ein Training der Zungenmuskulatur erforderlich.
  3. Anbahnung des korrekten s-Lautes: Der Klient lernt die neue Artikulationsstellung kennen und produziert die ersten korrekten s-Laute.
  4. Stabilisierung  des korrekten Lautes auf Silben-, Wort- und Satzebene: in zunehmend komplexeren Sprech- und Sprachübungen wird die korrekte Artikulation im weiteren Verlauf gefestigt.
  5. Transfer in die Spontansprache: Der Klient lernt in diesem Therapieschritt den korrekten Laut konstant auch in freien Sprech- und Sprachübungen zu produzieren.

Sprachtherapie mit dem Computer

In der Sprachtherapie mit Erwachsenen hat sich in den letzten Jahren vor allem die computergestützte Artikulationsanalyse bewährt. Dazu werden während den Behandlungen regelmäßige Aufnahmen verschiedener Artikulationsübungen gemacht und direkt im Anschluss analysiert. Der Klient erhält dadurch ein direktes auditives Feedback über seine Artikulation und ist auf diese Weise in der Lage die richtigen Artikulationsstellungen zu finden.
Für die gesamte Artikualtionstherapie ist die Mitarbeit des Klienten von großer Bedeutung, denn sowohl die mundmotorischen Übungen als auch die Sprech- und Sprachübungen müssen durch konsequentes häusliches Üben begleitet werden.

Haben Sie Fragen zum Thema Sigmatismus? Dann schreiben Sie mir.

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