Atemübung für eine lockere Bauchatmung

Atemübungen sind eine wichtige Methode, wenn es in einer logopädischen Stimmtherapie darum geht, die Merkmale einer gesunden, leichtgängigen und effizienten Sprechatmung zu entwickeln. Die physiologische Sprechatmung zeichnet sich durch eine Mischatmung aus Brust- und Bauchatmung aus. Bei vielen Patienten zeigen sich Defizite in der Atmung, die sich immer auch auf die Stimmfunktion auswirken. Eine Beispiel für eine einfache aber sehr effektive Atemübung möchte ich in diesem Artikel vorstellen.

Atemübungen für eine leichtgängige und effiziente Sprechatmung

Viele Menschen leiden unter einer unphysiologischen Sprechatmung. die meist durch die folgenden Auffälligkeiten gekennzeichnet ist:

  • Die Hochatmung:
    Durch eine fehlende Beteiligung des Zwerchfells findet die Atmung nur in den höheren Bereichen der Lunge statt. Typischerweise heben sich in diesem Fall der Brustkorb und die Schultern in jeder Atempause. Die Hochatmung hat ungünstige Auswirkungen auf die Stimmgebung und kann die Klangfähigkeit der Stimme einschränken.
  • Verkürzte Atempause,  Schnappatmung:
    Der Atemvorgang benötigt Zeit, damit sich die Lungen genügend füllen können. Wenn die Einatmung verkürzt ausgeführt wird, verfügt der Sprecher über wenig Luft für die Stimmgebung.
  • Überziehen der Phrasenlängen beim Sprechen:
    Zu lange Sprechphrasen führen zu eine starken Aktivierung der Bauchmuskulatur. Dieses „Sprechen auf Restluft“ führt zu einer unphysiologischen Stimmgebung mit einer Erhöhung der Atemdrucks und Einschränkungen der stimmlichen Leistungsfähigkeit.
  • Verkrampfung der Bauchmuskulatur:
    Ein starker Einsatz der Bauchmuskulatur hat immer negative Auswirkungen auf die Atmung, den Stimmklang und die Ökonomie beim Sprechen.
  • Nasenatmung:
    Anders als viele glauben, ist die physiologische Atemform beim Sprechen die Mundatmung. Sie ermöglicht uns  eine schnelle, leichtgängige und unhörbare Luftaufnahme. Die Ruheatmung erfolgt dagegen durch die Nase.

Einfache Übung für eine leichtgängige Sprechatmung

Die nun folgenden Atemübung ist einfach aber wirkungsvoll und sie vereint alle Merkmale der physiologischen Sprechatmung. Diese sind:

  • Die Atmung beim Sprechen erfolgt durch den locker geöffneten Mund.
  • Sie ist mühelos und verläuft fast ohne Atemgeräusche.
  • bei der Einatmung weitet sich der Bauch durch die Aktivität des wichtigsten Einatemmuskels, des Zwerchfells.

Die Durchführung

Teil 1: Lassen Sie zunächst die folgenden Reibelaute erklingen.

s____________´ f______________´sch________________´

s____________´ f______________´sch________________´

  • die Reibelaute erklingen mühelos und werden nicht forciert
  • Nach jedem Laut öffnet sich der Mund, so dass die Luft ungehindert einströmen kann. Der Bauch weitet sich dabei.
  • Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch und verfolgen Sie die Bewegung des Bauches.
  • Suchen Sie in dieser Übung Leichtigkeit und Lockerheit. Vermeiden Sie Anstrengung und Verkrampfung.
  • Lassen Sie genügend Zeit für die Atempause, damit sich der Bauch weiten kann.

Teil 2: Sprechen Siedie Reibelaut nun kürzer und impulsartig:

s ‘  f ‘  sch ‘

s ‘ f ‘ sch ‘     etc.

Beachten Sie dabei:

  • Der Laut wird durch kurze impulsartige Kontraktion der Bauchmuskulatur produziert. Vermeiden Sie dabei eine übermäßige Kraftanstrengung erfolgen. (Wir suchen damei immer die Ökonomie und  die Leichtigkeit)
  • Nach jedem Laut öffnet sich der Mund, so dass die Luft ungehindert einströmen kann. Der Bauch weitet sich dabei.
  • Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch und verfolgen Sie die Bewegung des Bauches.
  • Suchen Sie in dieser Übung Leichtigkeit und Lockerheit. Vermeiden Sie Anstrengung und Verkrampfung.
  • Üben Sie erst langsam. Lassen Sie nach jedem Impuls so viel Zeit, dass die Bauchmuskulatur entspannen kann.
  • Steigern Sie das Tempo, wenn Sie sicherer werden.
  • Üben Sie nicht zu lange, sondern immer wieder in kurzen Einheiten über den Tag verteilt.

In dieser einfachen Atemübung lernen Sie die Grundlagen einer gesunden Sprechatmung. Je nach Ausgangslage, benötigen Sie möglicherweise etwas Zeit bis sich die neue Atemform etabliert hat. Im Laufe von einigen Wochen sollte sich in dieser Übung eine lockere, mühelose und leichtgängige Bauchatmung einstellen, die dann kontinuierlich in Stimm- und Sprechübungen integriert und schließlich in die Spontansprache übertragen wird.

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