Langsam und deutlich sprechen lernen – Sprechtempo reduzieren!

Ein hohes Sprechtempo, eine undeutliche Artikulation und das Verschlucken von Silben: Besonders in wichtigen Gesprächssituationen fällt vielen Menschen das Sprechen schwer. Die Versuche, langsam und deutlich zu sprechen, führen meist nur zu kurzfristigem Erfolg. Da das Sprechtempo eine hoch-automatisierte Funktion ist und wir beim freien Sprechen mit unserer Aufmerksamkeit sehr stark mit den inhaltlichen Aspekten der Sprachproduktion beschäftigt sind, ist eine bewusste Tempo-Kontrolle keine leichte Aufgabe. Lesen Sie in diesem Artikel, warum es so schwer ist, die Sprechgeschwindigkeit zu kontrollieren und wie man es trotzdem lernen kann.

Hohes Sprechtempo, Nervosität, undeutliche Aussprache

Viele kennen dieses Problem: Nervosität und innere Anspannung in bedeutsamen Gesprächssituationen verändern die Sprechtechnik häufig zum Negativen.  Das Sprechtempo ist zu hoch, die Aussprache undeutlich, häufig werden Silben verschluckt, die Atmung funktioniert nicht richtig und die Stimme ist klanglos und dünn. In solchen Situationen nehmen sich die Betroffenen häufig vor, langsam und deutlich zu sprechen und machen dabei die Erfahrung, dass dies nur unbefriedigend gelingt.

Das Sprechtempo: Stark automatisiert und schwer kontrollierbar

Wenn wir sprechen, konzentrieren wir uns weitgehend auf den inhaltlichen Aspekt unserer Rede.  Alle sprechtechnischen Prozesse laufen überwiegend unbewusst ab. Dazu zählen:

  • Die Steuerung der Artikulation (Aussprache)
  • Die Koordination der Sprechatmung
  • Die Stimmgebung
  • Die prosodischen Merkmale der Sprache: Sprechtempo, Sprechmelodie (Intonation), Pausen, Betonungen, Akzente und Lautstärke

Natürlich sind wir in der Lage, diese sprechtechnischen Merkmale bewusst zu beeinflussen, was der kurze Selbstversuch zeigt:

Aufgabe: Nennen Sie Ihren Namen und Ihre Adresse und sprechen Sie dabei bitte sehr langsam und deutlich!

In dieser kurzen Sprechübung ist es Ihnen vermutlich ohne größere Probleme gelungen, die Sprechgeschwindigkeit und ihre Artikulation zu kontrollieren. Die Erfahrung zeigt aber, dass die bewusste Steuerung des Sprechens nur für kurze Zeit aufrechterhalten wird und sich das Sprechtempo dann wieder verselbständigt. Insbesondere bei komplexen sprachlichen Inhalten in der freien Rede oder bei Nervosität erhöht sich bei vielen Menschen das Sprechtempo.

Das Ziel: Ein angemessenes Sprechtempo finden

Der Klient lernt in einem Sprechtraining, sein Sprechtempo bewusst zu steuern und so ein situationsangemessenes optimales Sprechtempo zu finden. Dazu werden in einem systematischen Training die folgenden sprechtechnischen Merkmale erarbeitet und in vielen unterschiedlichen Sprechübungen in zunehmender Komplexität geübt:

  • Zeitlupensprechen: Der Klient lernt zunächst einmal, welche Sprachlaute gedehnt werden können, und welche nicht. Geübt wird in unterschiedlichen Geschwindigkeitsstufen mit Wörtern und kurzen Sätzen.
  • Manipulation des Sprechtempos: Der Klient lernt ganz bewusst sein Sprechtempo und sein persönliches „Lieblingstempo“ zu finden. Geübt wird in unterschiedlichen Geschwindigkeitsstufen mit Lesetexten.
  • Transfer in die Spontansprache:  Mit der Hilfe von Rhetorik-Übungen lernt der Klient sein Sprechtempo auch in der freien Rede bewusst zu steuern und dabei auch auf die Artikulation und eine gute Atemtechnik zu achten. Zur Ergebniskontrolle eignen sich computergestützte Audioaufnahmen mit anschließender Analyse.

Fazit

Das Sprechtempo ist ein hoch-automatisiertes Merkmal des Sprechens, das sich zwar bewusst steuern lässt, sich in der Alltagssprache aber meist unserer Kontrolle entzieht. Besonders bei Nervosität, Unsicherheit und innerer Anspannung ist das Sprechtempo häufig zu hoch, was sich ungünstig auf die Aussprache, die Atmung und die Stimmgebung auswirkt. In einem systematisch angelegten Sprechtraining oder einer logopädischen Therapie lernen die Klienten in wenigen Sitzungen ihre Sprechgeschwindigkeit bewusst zu steuern.

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