Sprachentwicklung und fernsehen

Der Fernseher, das Internet und das Smartphone sind für Kinder äußerst attraktive Medien. Wenn Eltern nicht aktiv gegensteuern, wirken sie oft wie Magneten von denen Kinder nicht mehr loskommen. Viele Eltern glauben, mit dem Fernsehen die Sprachentwicklung des Kindes zu unterstützen, weil das Kind ja zuhört. Leider belegen viele Studien immer wieder, dass der Fernseher alleine kein geeignetes Medium zur Sprachförderung ist. Da für viele Familien moderne Medien zum Leben einfach dazu gehören, möchten wir in diesem Beitrag einige Anregungen geben, wie Eltern einen möglichst sprachförderlichen Umgang mit elektronischen Medien finden können. 

Warum der Fernseher nicht sprachförderlich ist

Kinder erwerben Sprache im Dialog mit ihren Bezugspersonen. Das Wesentliche dabei ist, dass es in der Kommunikation zu einem wechselseitigen Austausch von Informationen kommt. Wenn wir uns mit Sprache, Gestik, Mimik und Berührungen austauschen, sind alle unsere Sinne beteiligt. Bevor das Kind seine ersten Wörter produziert, muss es also erst einmal das Prinzip der Kommunikation entdeckt haben. Dazu gehören in den ersten Lebensmonaten der Blickkontakt, das Hören, die Wahrnehmung für Sprache und die eigene Sprachproduktion.  

Kommunikation ist etwas sehr Komplexes und ein Fernseher ist kein Kommunikationsgerät, sondern lediglich eine ein Ausgabegerät von Sprache und bewegten Bildern. Kinder, die vor dem Fernseher sitzen, hören und sehen, was der Fernseher ausstrahlt. Sie treten aber nicht in den Dialog mit ihm und  es kommt nicht zu einem Wechsel von Sprachverständnis und Sprachproduktion. Aus diesem Grund ist der Fernseher alleine in keiner Weise dazu geeignet, die kindliche Sprachentwicklung zu fördern. 

Sprachentwicklung und fernsehen im gemeinsamen Dialog

Da die elektronischen Medien aus unserem Alltag nicht wegzudenken sind, möchten wir sie nicht grundsätzlich verteufeln. Viel mehr ist es uns ein Anliegen aus der Not eine Tugend zu machen und Anregungen zu einem sprachförderlichen, wissensvermittelnden und kreativen Umgang mit ihnen zu geben. Hier sind unsere Ideen dazu: 

  • Sprachförderung erfolgt in erster Linie im Dialog. Nutzen Sie so viel Zeit wie möglich für kommunikative Beschäftigungen mit ihrem Kind. Kein Medium ersetzt das Gespräch und das gemeinsame Spiel.
  • Sprache wird über dialogische Kommunikation erworben. Fernsehen, PC-Spiele und Hörkassetten sind dies nicht!
  • Die Auswahl geeigneter Sendungen sollte durch die Eltern begleitet werden. Es gibt sehr gut gemachte Fernsehsendungen für Kinder, bei denen Kinder viel Spaß haben und daneben auch noch viel lernen können.
  • Setzen Sie Ihr Kind nicht über längere Zeit alleine vor den Fernseher.
  • Schauen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind (Co-Viewing). Dadurch haben Sie die Möglichkeit zum Dialog. Auf diese Weise kann das Fernsehen die Sprachentwicklung anregen, da informative Kindersendungen viele Redeanlässe entstehen lassen und Wissen vermitteln.
  • Häufige Wiederholungen der gleichen Inhalte gelten als förderlich für die Sprachentwicklung. Daher gelten Hörkassetten und DVDs als gute Alternativen zum Fernsehen.
  • Die Erziehung zur Medienkompetenz bedeutet auch, dass Kinder lernen, bewusst auszuwählen. Leben Sie ihrem Kind einen bewussten Umgang mit elektronischen Medien vor. 
  • Nutzen Sie die Gelegenheit und vermitteln Sie Ihrem Kind von vorne herein aktive Auswahlstrategien. Dazu gehört das gemeinsame Planen der Medienzeiten, indem man z.B. gemeinsam das Fernsehprogramm liest oder sich überlegt, zu welchem Thema man im Internet surfen möchte.
  • Die Inhalte müssen immer kindgerecht sein. Damit das Kind nichts ungeeignetes sieht, ist es ratsam, wenn ein Elternteil mitsieht (Co-Viewing).
  • Kinder sollten nicht zu viel fernsehen. Kinder unter 4 brauchen eigentlich noch gar kein Fernsehen.
  • Geschwister älterer Kinder beginnen meistens früher fernzusehen. Hier ist es  besonders wichtig, auf eine zeitliche Begrenzung und die Auswahl der richtigen Fernsehsendungen zu achten.
  • Beginnen Sie möglichst früh damit, klare Regeln  im Umgang mit elektronischen Medien einzuführen. Denken Sie dabei nicht nur an Ihre Kinder, sondern machen Sie sich auch Gedanken darüber, wie Sie in Ihrer Familie mit elektronischen Medien umgehen wollen. Ihr eigenes Medienverhalten spielt dabei eine große Rolle.
  • Ihr Kind wird in Ihrer Familie der Medienexperte. Ihre Rolle ist es, die Regeln festzulegen.

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