Kindesentwicklung der Sprache: erste Worte & erste Sätze

Die Kindesentwicklung im Bereich Sprache beginnt bereits in der 24. Schwangerschaftswoche, wenn der noch ungeborene Fötus beginnt, erste Höreindrücke wahrzunehmen. Im ersten Lebensjahr folgen die Lallphase, das beginnende Sprachverständnis, und die Produktion erster Wörter mit ca. 12 Monaten. Wenn das Kind dann bemerkt, dass Wörter kombiniert werden können, beginnt die grammatikalische Entwicklung mit der Bildung von Mehrwortäußerungen und ersten Sätzen. Lesen Sie in diesem Artikel über der Sprachentwicklung bei Kindern vom ersten Wort bis zu den ersten Sätzen. 

Die Sprachentwicklung beim Baby beginnt schon vor der Geburt!

Bereits seit der 24. Schwangerschaftswoche ist beim Fötus das Gehör angelegt, so dass es erste Hörerfahrungen sammelt. Diese  sind natürlich gedämpft aber sorgen trotzdem in den nächsten 4 Schwangerschaftsmonaten für einen enormen sprachlichen Input. Bereits von Geburt an ist das Baby in der Lage, die eigene Muttersprache von einer Fremdsprache zu unterscheiden, was in Experimenten gezeigt werden konnte. Außerdem erkennt es die Stimme der eigenen Mutter.

Natürlich Sprachförderung durch Eltern

Eltern verfügen über eine intuitive und  natürliche Fähigkeit  der Sprachförderung. Sie kommunizieren mit ihrem Baby auf eine ganz besondere Art und greifen dabei auf jahrtausendealtes Wissen zurück. Diese an das Baby gerichtete Sprache wird Ammensprache oder Babytalk genannt und zeichnet sich durch die folgenden Besonderheiten aus:

  • Eltern sprechen sehr melodiös und in einer erhöhten Stimmlage.
  • Sie kommunizieren sehr emotional mit ihren Babies und zeigen Freude an deren Kommunikationsversuchen.
  • Sie verwenden alle Kommunikationskanäle: Mimik, Gestik, Berührungen, Lautmalereien und die Sprache.
  • Sie sprechen relativ langsam und deutlich,  wiederholen und betonen die wichtigen Wörter und dehnen die Vokale.
  • Seit Urzeiten singen Mütter mit ihren Kindern.

Babies kommen als kommunizierende Wesen zur Welt

Von Beginn an ist das Baby in der Lage, mit der Mutter durch unterschiedliche Lautäußerungen zu kommunizieren. So vermittelt es in der Regel erfolgreich und unmissverständlich, wenn es Hunger oder Schmerzen hat. Nach wenigen Wochen entwickelt sich die Kommunikationsfähigkeit dann schnell weiter. Dabei fällt besonders das Interesse des Babys am Blickkontakt mit der Mutter oder dem Vater auf und nach einigen Wochen beginnt es zu lachen.

Beginnendes Sprachverstehen und erste Wörter

Auch wenn Eltern es in der Regel noch nicht bemerken, beginnen die Babies mit ca. 6 Monaten erste Äußerungen zu verstehen. Daher ist es  wichtig, dass Eltern in dieser Altersphase viel mit ihren Kindern sprachlich aber auch nonverbal kommunizieren. Denn durch ein reichhaltiges kindgerechtes sprachliches Angebot in dieser frühen Phase der Kindesentwicklung, können sich die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes am besten entwickeln.
Ebenfalls mit 6 Monaten beginnen die Babies in der Lallphase unterschiedliche Formen von Lalllauten zu produzieren. Dies tun sie meist sehr lustvoll und spielerisch und ungefähr mit 12 Monaten produzieren sie dann ihre ersten Worte.

Im 2. Lebensjahr: Zweiwortäußerungen

Mit 18 Monaten erkennen Kinder, dass Wörter kombiniert werden können und haben damit das syntaktische Prinzip der Sprache verstanden: Gesprochene Sprache besteht aus einzelnen Worten, die zu Satzstrukturen verbunden werden. In dieser Phase produzieren sie Zweiwortäußerungen, wie z.B.:

„Mama da“

„Wauwau weg“

Im 3. Lebensjahr: Mehrwortäußerungen und erste Sätze

In der Phase der Mehrwortäußerungen, ab ca. 24 Monaten, bilden Kinder noch unvollständige Sätze, die meist aus drei bis vier Wörtern bestehen. Die Wortstellung ist noch variabel und wichtige Worte werden häufig noch ausgelassen. Ungefähr ein halbes Jahr später produzieren Kinder dann überwiegend vollständige Hauptsätze mit korrekter Verbstellung.

Im 4 Lebensjahr: Von den ersten Sätzen zu komplexen Satzstrukturen

Nachdem das Kind nun mit ca. 3 Jahren die Grundzüge der Grammatik erworben hat und mit einfachen Sätzen schon gut kommunizieren kann, werden im weiteren Verlauf die Äußerungen immer länger und komplexer. So bildet das Kind erste Nebensätze, Fragen oder Passivkonstruktionen.

Sprachentwicklungsverzögerungen

Sprachentwicklungsverzögerungen sind meist dadurch gekennzeichnet, dass Kinder zu einem späten Zeitpunkt ihre ersten Worte produzieren. Die folgende Wortschatzentwicklung verläuft langsam und mit 24 Monaten verfügen sie über einen aktiven Wortschatz, der noch unter 50 Wörtern liegt. Die Sprachwissenschaft empfiehlt heute eine frühe sprachlich Förderung dieser Kinder, um den Kindern den Weg in die Sprache zu erleichtern und damit schweren Sprachentwicklungsstörungen vorzubeugen. Ein Beispiel dafür ist das Heidelberger Elterntraining, das sich gezielt an Eltern von zwei bis dreijährigen Kindern mit verzögerter Sprachentwicklung richtet. Dort lernen sie sehr systematisch, wie sie die kindliche Sprachentwicklung im Alltag unterstützen können.

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