Ansatzprobleme bei Bläsern

Das Spiel eines Blasinstrumentes erfordert eine sehr differenzierte Ansatztechnik, mit der sich Instrumentalisten meist über Jahre hinweg beschäftigen. Manchmal kommt es vor, dass spieltechnische Defizite zu Ansatzproblemen führen, die sich negativ auf den Klang und die Spielfähigkeit auswirken. Vor allem für Berufsmusiker führt dies manchmal zu erheblichen Belastung. Lesen Sie in diesem Artikel über die Diagnostik und die logopädischen Behandlungsmöglichkeiten bei Ansatzproblemen.

Berufskrankheiten bei Musikern

Berufsmusiker sind ähnlich belastet wie Hochleistungssportler. Die Belastungen, die durch das Spielen eines Musikinstrumentes entstehen können, sind vielfältig und weit verbreitet. Daraus entwickeln sich im Laufe der Jahre manchmal spezifische Berufskrankheiten. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Die komplexe Technik:
    Ein Instrument zu lernen ist nicht einfach, und es gibt viele technische Fehler, die sich einschleichen können. Diese können zu einer starken Beanspruchung und Überlastung führen und Verspannungen, Schmerzen und degenerative Prozesse auslösen.
  • Unnatürliche Haltungen und Bewegungsabläufe:
    Das Spielen eines Instrumentes erfordert je nach Instrument sehr spezielle und nicht immer physiologische Haltungen und Bewegungsabläufe. Wenn man bedenkt, dass Musiker sich jahrelang viele Stunden täglich mit ihrem Instrument beschäftigen, kann man sich vorstellen, dass im Laufe der Jahre Überbelastung entstehen können.
  • Hohe Anforderung an die Physiologie:
    Hohe musikalisch-technische Anforderungen, lange Übe- und Probenzeiten, lange Aufführungen und ein hoher Leistungsdruck führen zu einer hohen Belastung für Musiker. Im Laufe der Jahre können auf diese Weise Überlastungssymptome entstehen.

Der Ansatz bei Bläsern

Der Ansatz spielt für Bläser eine herausragende Rolle, da er unmittelbare Auswirkungen auf die Klangqualität und die Ökonomie des Instrumentalspiels hat. In der Regel beschäftigen sich Bläser lange Jahre mit der Perfektionierung ihres Ansatzes. Ein guter Ansatz führt beim Bläser zu einem angenehmen Spielgefühl, zu einer guten Tonansprache und zur erwünschten Klangqualität. Ansatzprobleme hingegen können vielfältige Probleme nach sich ziehen:

  • Probleme bei der Tonansprache besonders in tiefen und hohen Registern und vor allem in geringer Lautstärke
  • Unerwünschte Klangqualität
  • Unökonomisches Spiel
  • Erhöhte Kraftanstrengung
  • Verspannungen
  • Missempfindungen und Schmerzen
  • Kompensatorische Mitbewegungen der mimischen, pharyngealen und laryngealen Muskulatur
  • Asymmetrie der Wangen-, Lippen- oder Zungenmuskulatur
  • Orofaziale Dysfunktionen
  • Funktionelle Stimmstörungen (Dysphonien)
  • Schluckstörungen (Dysphagien)

Die Diagnostik

Im Idealfall erfolgt die interdisziplinäre Diagnostik in einer Musikerambulanz, bei der verschiedene Funktionssysteme beurteilt werden:

  • Zahn- und Kieferstellung
  • Neurologischer Status
  • Beurteilung des Rachens und des Kehlkopfes
  • Beurteilung der der Artikulationsorgane, der Stimmgebung und der Schluckfunktion

Logopädische Therapiemöglichkeiten

Der medizinische Fachbereich der Logopädie beschäftigt sich primär mit der Behandlung von Stimm-, Artikulations-, Atem- und Schluckstörungen und damit mit den physiologischen Funktionssystemen, die auch für Bläser von Bedeutung sind. Die in der Logopädie behandelten Störungen, Dysfunktionen und Symptome haben viele Gemeinsamkeiten mit den Problemen, mit den Bläser zu tun haben. Daher kann eine logopädische Therapie bei Ansatzproblemen eine durchaus sinnvolle Maßnahme sein, wie auch im Artikel „Logopädische Behandlungsoptionen von Ansatzproblemen bei Bläsern“ in der Fachzeitschrift Stimme Sprache Gehör in der Ausgabe 01/2019 beschrieben wird.

Das herausragende Ziel bei der logopädischen Behandlung bei Ansatzproblemen ist es, eine ökonomische  Ansatz-, Atem- und Luftführungstechnik zu finden, die es dem Bläser ermöglicht mit größtmöglicher Effizienz, Leichtigkeit und Mühelosigkeit zu spielen. Die Tatsache, dass der Logopäde in der Regel das Instrument nicht nicht spielt, kann dabei Nach- und Vorteil in einem sein. Der Blick gewissermaßen „von außen“  kann dabei helfen, ökonomischere Spieltechniken und Bewegungsabläufe zu finden.

In jedem Fall ist sowohl von Seiten des Therapeuten als auch von Seiten des Patienten eine große Offenheit und Vertrauen gefordert, damit die Behandlung wirken kann. Letztendlich geht es um nicht wenig: Es geht darum, eine alte, lange perfektionierte, nicht (mehr) physiologische Spieltechnik zu verändern. Dies ist für die Betroffenen in der Regel ein bedeutsamer Eingriff in das eigene Instrumentalspiel und mit Sicherheit keine leichte Aufgabe.

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